Sportliche Leistung

 

Noch ist es ungewohnt ruhig im FöFi, wie alle das Förde-Fitness des TSB an der Eckener Straße nennen. Gerade einmal eine Handvoll Mitglieder trainiert am Vormittag auf der Fläche mit den Geräten. Kurse werden ausschließlich im großen Kursraum angeboten – mit ausreichend Abstand. Auch einige Geräte sind mit Flatterband abgesperrt, damit sich die Sportler/-innen nicht zu nahekommen. Umziehen und duschen müssen zuhause stattfinden. „Wir sind froh, dass wir überhaupt wieder öffnen durften“, sagt Yvonne Wagner. Die 34-Jährige ist die neue Studioleiterin.

Nach 100 Tagen im neuen Job ziehen andere eine erste Bilanz. Sie hatte noch nicht einmal die ersten 100 Tage im FöFi hinter sich, als die Beschränkungen durch Corona alles auf den Kopf stellten. Das Studio musste am 14. März schließen und Yvonne Wagner Krisenmanagement betreiben: feste und freie Mitarbeiter/-innen immer auf dem Laufenden halten, Mitglieder informieren und ihnen so schnell wie möglich Alternativen zum regulären Betrieb in FöFi bieten, die wirtschaftliche Seite im Blick behalten und eine Wiedereröffnung unter Einschränkungen vorbereiten. „Die Kommunikation war schon eine echte Herausforderung. Wir konnten uns ja auch in der ersten Zeit nicht einfach alle zu einer Besprechung treffen. Und es gab immer wieder neue Informationen.“

Gut, dass sie als ehemalige Rad-Leistungssportlerin nicht nur die erforderliche Ausdauer für diese ungewöhnlichen Herausforderungen mitbringt. Auch ihr Studium im Bereich Business Coaching und Changemanagement war sicher eine gute Vorbereitung – ebenso wie ihre Erfahrungen in Menschenführung, die sie als Offizier bei der Bundeswehr auch in kritischen Situationen bereits beweisen musste.

Der TSB hat die Schließung nicht einfach abgesessen, sondern sofort genutzt und unter anderem Reparatur- und Sanierungsarbeiten durchgeführt. Während die Studioleiterin mit den Trainer/-innen für die Mitglieder in kurzer Zeit individuelle Trainingspläne erstellte und später draußen auf dem Sportplatz an der Eckener Straße wieder die ersten Kurse auf die Beine stellte, beschäftigte sie sich außerdem im Hintergrund laufend mit den Empfehlungen des Deutschen Olympischen Sportbundes zur möglichen Wiedereröffnung von Sportstätten. „Um vorbereitet zu sein, habe ich schon früh überlegt, wie ich die Empfehlungen für das FöFi umsetzen kann, habe Konzepte geschrieben, war ständig im Kontakt mit dem Gesundheitsamt der Stadt.“

Als es soweit war und auch die Landesverordnung grünes Licht für die Studioöffnung gab, waren Yvonne Wagner, ihr Team und das FöFi längst startklar. Und das so gut, dass ihre Umsetzungskonzepte auch von anderen Studios abgefragt wurden.

Inzwischen hat sich der Studioalltag unter Corona schon etwas eingespielt: Die meisten Mitglieder kennen mittlerweile die Regeln – und auch die neuen Wege im Studio, die alle nach einem Einbahnstraßenprinzip funktionieren, damit es möglichst wenige Begegnungen gibt. Andere rufen vor ihrem ersten Besuch an und fragen nach.

Alle Mitglieder bekommen bei Verlängerung ihres Vertrages einen kostenfreien Monat oder ein Personal-Training als Ersatz für die Schließungszeit, alle Mitarbeiter haben ihre ausgefallenen Schichten trotzdem gezahlt bekommen und der Verein hat sogar den Kurzarbeitslohn aufgestockt. Yvonne Wagner: „Wir sind eben doch ein Verein. Und das heißt auch, dass wir füreinander sorgen, so gut es geht.“ Nun hofft sie, dass auch die Mitglieder dem FöFi weiterhin die Treue halten und gemeinsam mit ihrem Verein die Krise durchstehen. Yvonne Wagner sieht die Krise auch positiv: „Sich gemeinsam flexibel auf eine neue Situation einzustellen, das kann auch positive Veränderungen anstoßen.“