Wenn viel Schnee lag, fuhren die Erwachsenen in meiner Kindheit mit Pferdeschlitten. Man saß darin warm zugedeckt, und außen an den Schlitten waren oft kleine Glöckchen befestigt. Für uns Kinder waren die Schlitten ein großes Ereignis. Mit unseren kleinen Holzschlitten standen wir auch an diesem Tag an der Chaussee und warteten. Hört! Pferdeglocken-Geläut. Ein Herr auf einem Schlitten hielt an. „Na wollt ihr mitfahren?“, fragte er. Darauf hatten wir gewartet! Schnell banden wir unsere kleinen Schlitten an die Achse des großen Gefährts. In immer schnellerer Fahrt ging´s die Allee entlang. Bald ließ der eisige Wind unsere Füße, Hände und Nasen erstarren. Es wurde dunkel, allmählich wurde uns unheimlich. „Halt!“, riefen wir ängstlich. Der Kutscher hielt an und ließ uns gehen. Mit Tränen in den Augen zogen wir unseren Schlitten nach Hause. Nie würden wir uns wieder „anbummeln“, das schworen wir uns. Heute glaube ich, der Herr wollte uns einen ordentlichen Denkzettel verpassen, denn so eine Fahrt war sehr gefährlich. Das war ihm gründlich gelungen.
Als Wera Hansen zehn Jahre alt war, ist sie mit ihrer Mutter aus Westpreußen nach Flensburg geflohen. Seit 40 Jahren lebt die heute vierfache Mutter und Großmutter von sechs Enkelkindern in einer gemütlichen SBV-Wohnung in der Norderstraße.
Das ältere Foto zeigt Wera Hansen als Kind/Jugendliche.